Geschichte

Die Universitätsbibliothek wurde 1665 gleichzeitig mit der Universität eingerichtet. Als Gründungsbestand erhielt sie durch Verfügung des Gottorfer Herzogs Christian Albrecht die Handschriften und Drucke des um 1566 aufgelösten Augustinerchorherren-Stiftes in Bordesholm, die noch heute den ältesten Bestand ausmachen. Im ersten Jahrhundert ihres Bestehens wuchs die Bibliothek nur langsam (1768: ca. 6.000 Bände). Mit rund 40.000 Bänden zählte sie Ende des 18. Jahrhunderts aber bereits zu den bedeutenderen Bibliotheken Deutschlands.

1884 erhielt die Universität zum ersten Mal ein Gebäude, das ausschließlich Bibliothekszwecken diente (Alte Universitätsbibliothek, Brunswiker Str. 2). Es wurde 1907 durch einen Anbau erweitert, der jedoch am 29. April 1942 durch Bombenangriff zerstört wurde. Dabei wurde der Buchbestand, der bis zum Zweiten Weltkrieg auf mehr als 500.000 Bände angewachsen war, zur Hälfte vernichtet.

UB Kiel 1942
Die Universitätsbibliothek in der Brunswiker Straße nach dem Bombenangriff 1942Archiv UB Kiel

 

Nach dem Krieg wurde die Universität mit Ausnahme des Klinikums vom Schlossgarten auf das Gelände an der Olshausenstraße verlegt. Die Universitätsbibliothek erhielt dort 1966 einen Neubau. In der Alten Universitätsbibliothek blieb die Medizinische Abteilung zurück. Das neue Gebäude Westring/Olshausenstraße erwies sich aber bald als zu klein, so dass 1987 als weitere Zweigstelle die Naturwissenschaftliche Abteilung am Heinrich-Hecht-Platz eingerichtet wurde. Im Neubau an der Leibnizstraße, der im April 2001 in Betrieb genommen wurde, konnten die naturwissenschaftlichen Bestände wieder mit den übrigen zusammengeführt werden. 2015 feierte die Universitätsbibliothek zusammen mit der Universität ihr 350-jähriges Bestehen. Seit 2016 betreut die Universitätsbibliothek den Fachinformationsdienst (FID) Nordeuropa als Teil des bundesweiten Förderprogramms Fachinformationsdienste für die Wissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Damit wurde das Sondersammelgebiet Skandinavien abgelöst, das seit 1948 in Kiel betreut wurde.

Mit der 2019 initiierten Gründung des Universitätsverlags Kiel, dessen Redaktion an der UB angesiedelt ist, setzte die Bibliothek einen wichtigen Impuls für offene Wissenschaft. Der Verlag orientiert sich an den Open-Access-Leitlinien der Universität und fördert systematisch den Ausbau frei zugänglicher wissenschaftlicher Publikationswege. 2025 engagierte sich die UB zudem bei der Gründung des Notfallverbunds Kiel und initiierte die landesweite Plattform SchriftGut.SH, um den Schutz des kulturellen Erbes und den fachlichen Austausch in Schleswig-Holstein weiter zu stärken. Ihre historischen Bestände, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, stehen heute im Kontext digitaler Angebote, offener Publikationsservices und einer zukunftsorientierten Informationskompetenzvermittlung. So positioniert sich die UB Kiel als dynamische Partnerin der Universität und des Landes Schleswig-Holstein.

In den letzten Jahren hat die Universitätsbibliothek Kiel umfangreiche Umbaumaßnahmen realisiert, ihr Profil als moderner Lern- und Arbeitsort weiter gestärkt und bietet heute vielfältige Services, die konsequent an den Bedarfen von Studium, Lehre und Forschung ausgerichtet sind.