Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Universitätsbibliothek


Logo der UB
Benutzerspezifische Werkzeuge
Startseite Wir über uns Dokumente zur Bibliotheksverwaltung Bibliotheksentwicklungsplan Schleswig-Holstein Wissenschaftliche Bibliotheken Agenda 1999 - 2005 (1)

Bibliotheksentwicklungsplan Schleswig-Holstein Wissenschaftliche Bibliotheken Agenda 1999 - 2005 (1)

Einführung
Die Aussagen des Bibliotheksentwicklungsplans 1990-2000 (2) sind für die wissenschaftlichen Bibliotheken in großen Teilen noch immer gültig.

Allerdings konnten inzwischen wichtige Forderungen des Jahres 1990 erfüllt oder der Erfüllung näher gebracht werden. So wurde in allen wissenschaftlichen Bibliotheken Schleswig-Holsteins die Katalogisierung auf das Online-Verfahren im Verbund umgestellt. Nachdem die Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft 1986 die Online-Katalogisierung eingeführt hatte, begannen die Hochschulbibliotheken und die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek 1993 mit der Online-Katalogisierung im „Norddeutschen Bibliotheksverbund“, der die Bibliotheken Hamburgs, Bremens, Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins zusammenschloß. 1995 wurde dieser Norddeutsche Bibliotheksverbund mit dem Verbund für die Länder Niedersachen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu einem „Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV)“ mit Sitz der Verbundzentrale in Göttingen vereinigt. Inzwischen ist nicht nur die Katalogisierung automatisiert. Durch den Aufbau lokaler Bildschirmkataloge für Benutzer, durch Automatisierung der Erwerbung und durch Einführung der Online-Fernleihe sind wesentliche Elemente von lokalen Bibliothekssystemen realisiert. Die Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft/Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften wird 1999 ihr EDV-System ablösen und mit allen Funktionen am GBV teilnehmen.

Erfolge sind auch auf baulichem Sektor zu verzeichnen. In Flensburg entstand eine neue, großzügig dimensionierte zentrale Hochschulbibliothek für die Bildungswissenschaftliche Hochschule und die Fachhochschule Flensburg. In Kiel wurde im Dezember 1997 mit dem Erweiterungsbau der Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft begonnen und schließlich im August 1998 nach langer Wartezeit auch mit dem Neubau der Universitätsbibliothek Kiel.

Die vermeldeten Erfolge können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß ein großer Teil der 1990 aufgestellten Forderungen noch unerledigt ist. Die Erfüllung steht weiterhin auf der Tagesordnung. Die Vorstellungen, die nachfolgend vorgetragen werden, stellen keinen Ersatz des früheren Planes dar, sondern sind eine Ergänzung dazu.

Abstrahierend von der Situation der einzelnen Bibliotheken werden zwei Themenkreise ausgeführt.

Der eine, die Problematik der Bestandserhaltung, findet sich schon im Entwicklungsplan 1990-2000, wird aber noch einmal aufgegriffen und vertieft, weil für die Bibliotheken in Schleswig-Holstein de facto nichts geschehen ist, weil eine Lösung vom Zustand des Materials her gesehen immer dringlicher wird, und weil sich bundesweit inzwischen Entwicklungen vollzogen haben, die Schleswig-Holstein endlich nachholen muß.

Der andere Themenkreis, der hier als „digitale Bibliothek“ apostrophiert wird, ist neu und führt über den Rahmen des Bibliotheksentwicklungsplans 1990-2000 hinaus. Er gehört aber andererseits in diesen Rahmen, weil schon jetzt alle Aktivitäten für wissenschaftliche Bibliotheken vom Bau und von der Ausstattung über die Erwerbung, den Geschäftsgang und die Benutzung bis hin zur Aus- und Fortbildung des Personals tiefgreifend von den Neuentwicklungen berührt sind, die sich mit dem Stichwort „digitale Bibliothek“ verbinden. Wenn der Zeitrahmen mit der Angabe der Jahreszahlen 1999-2005 eng gesetzt ist, liegt das an der ungeheuren Dynamik dieses Bereichs, die längerfristige Voraussagen der Gefahr ausliefert, bloße Spekulationen darzustellen.

Bestandserhaltung
Die Konservierung und Restaurierung von handschriftlichem und gedrucktem Material gehört seit jeher zum Aufgabengebiet von Archiven und Bibliotheken. Bereits im Bibliotheksentwicklungsplan 1990-2000 ist auf die organisatorischen, personellen und finanziellen Notwendigkeiten für ein landesweit ausgerichtetes Restaurierungskonzept hingewiesen worden. Aus zwei Gründen muß jetzt das Thema der Bestandserhaltung erneut und eindringlich wiederaufgenommen werden. Zum einen ist in der Vergangenheit wegen der hohen finanziellen Aufwendungen in dieser Hinsicht kaum etwas geschehen, zum anderen stellt sich insbesondere das Problem der vom Papierzerfall bedrohten Bestände immer dringlicher. Darüberhinaus bieten sich jetzt erst technischen Lösungen an.
Anfang der 80er Jahre wurden in den USA erste Schadenserhebungen zum Umfang der vom Papierzerfall bedrohten Buchbestände durchgeführt. Seitdem wurde durch weitere Untersuchungen, u.a. 1988 auch in Deutschland, der weltweit drohende Verlust der auf säurehaltigem Papier gedruckten Texte publik und die Bekämpfung des Papierzerfalls als eine der dringlichsten Aufgaben in den Bibliotheken und Archiven der ganzen Welt erkannt. Die Gefahren des Substanzverlustes an wertvollem Kulturgut können jetzt gebannt werden. Maßnahmen zur Massenkonservierung des gefährdeten Archiv- und Bibliotheksgutes wurden entwickelt sowie Umfangs- und Kostenschätzungen vorgenommen. Wegen der immensen Mengen der zu erhaltenden Publikationen und der dafür aufzuwendenden Kosten können nur gründlich abgestimmte Konzepte zu einer Bewältigung dieser Aufgabe führen. Gemäß den Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist hier eine besondere Zuständigkeit bei den Bibliotheken mit Sondersammelgebietsliteratur, mit Pflichtexemplarzugängen und mit anderen, besonders herausragenden Bestandsgruppen (3).

Je nach vorliegendem Schadensfall sind unterschiedliche Verfahren für die Bestandserhaltung anzuwenden.

Die Einzelrestaurierung ist insbesondere bei wertvollen alten Drucken und handschriftlichem Material mit Papier- und Einbandschäden der einzig gangbare Weg zur Erhaltung des Originals. Für die Konservierung von Büchern, die seit ca. 1840 auf industriell hergestellten Papieren gedruckt worden sind, sind Massenanlagen zur Entsäuerung und Pufferung entwickelt worden, in denen große Mengen von Publikationen mitsamt ihrem Einband entsäuert werden können. Für Bestände, deren Säureschaden bereits so weit fortgeschritten ist, daß die Ecken einzelner Seiten spätestens bei der dritten Eckfalzung abfallen, ist eine Bewahrung im Original nur mit Hilfe des Papierspaltverfahrens möglich.

Die Mikroverfilmung ist die am häufigsten praktizierte Methode, um ein qualitativ hochwertiges Ersatzmedium für das Original herzustellen. Die Digitalisierung von Handschriften und Drucken, für die Mikrofilme als Grundlage dienen können, eröffnen über die Bestandserhaltung hinaus weitere Möglichkeiten der Erschließung und Verbreitung wertvollen Schriftgutes, dessen Benutzung im Original aus konservatorischen Gründen ausgeschlossen werden muß.

Welches Verfahren der Bestandserhaltung im einzelnen Fall oder für eine größere Bestandsgruppe angewendet werden muß, ist vom Wert und Zustand der Objekte abhängig zu machen und bedarf sorgfältiger Prüfung. Nicht jedes Kulturgut kann im Original gerettet werden, wohl aber müssen die über Jahrhunderte erhaltenen Überlieferungen und Informationen bewahrt werden. Wegen der immensen Kosten kann auch nicht jedes Exemplar eines wichtigen Buches erhalten werden, sondern es muß eine strenge Auswahl der in Maßnahmen der Bestandserhaltung einbezogenen Bestände getroffen werden.

Es muß daher eine Reihe von Schritten unternommen werden.

Angesichts des Umfangs säuregeschädigter Literaturbestände muß der Bekämpfung des Papierzerfalls im Rahmen nationaler Bestandserhaltungsmaßnahmen oberste Priorität zukommen. Für die Bibliotheken und Archive des Landes Schleswig-Holstein in staatlicher und nicht-staatlicher Trägerschaft ist daher als dringlichste Maßnahme die Bewilligung von Mitteln für die Massenentsäuerung und Verfilmung der vom Papierzerfall bedrohten Bestände zu nennen.

Die Kultusministerkonferenz hat in ihrem Beschluß vom 8.10.1993 empfohlen (4), den wissenschaftlichen Bibliotheken ab dem Jahr 1995 Finanzmittel in Höhe von mindestens 1 Prozent des jährlichen Neuerwerbungsetats für Verfilmungsmaßnahmen zuzuweisen. Wegen der bisher ausgebliebenen Geldmittel müssen jedoch in den nächsten 5 Jahren mindestens Mittel in Höhe von 2 Prozent der Ausgaben für Neuerwerbungen zusätzlich veranschlagt werden. Damit kann dann angesichts des weiter fortgeschrittenen Papierzerfalls wenigstens bei den Rettungsmaßnahmen für die dringlichsten Bestandsgruppen wie in den Sondersammelgebieten, bei den schleswig-holsteinischen Pflichtexemplaren und weiteren wertvollen Sammlungen der wissenschaftlichen Bibliotheken aufgeholt werden.

Zur Erhaltung vom Papierzerfall bedrohter Archivbestände hat die Kultusministerkonferenz am 17.2.1995 die Empfehlung beschlossen, daß auf 20 Jahre zusätzliche Mittel zweckgebunden bereitgestellt werden sollten. Die Finanzmittel sollten sich in einer solchen Größenordnung bewegen, daß damit jeweils 1 Prozent des in den Archiven verwahrten Archivguts im Rahmen eines Landeskonzepts konservatorisch und restauratorisch bearbeitet, d.h. verfilmt, sachgerecht verpackt und gelagert werden kann.

Neben den anerkannten Maßnahmen der Konservierung und Restaurierung einzelner Archivalien in speziell dafür ausgestatteten Restaurierungswerkstätten (z.B. im Landesarchiv) sind auch neue Verfahren der Massenentsäuerung, Pufferung und Papierspaltung auf moderne Archivbestände anzuwenden und in der freien Wirtschaft in Auftrag zu geben. Darüber hinaus sind präventive Schutzmaßnahmen zu fördern wie Verwendung alterungsbeständiger Papiere und Schreibstoffe in der Verwaltung, fachgerechte Einlagerung der Archivalien in konditionierten Magazinräumen, systematische Verfilmung gefährdeter Bestände und Fortbildung archivarischer Fachkräfte in Fragen der Bestandserhaltung (5).

Da sich wertvolles schleswig-holsteinisches Kulturgut auch in Einrichtungen nicht-staatlicher Trägerschaft befindet, muß gewährleistet sein, daß Kommunen und andere nicht-staatliche Unterhaltsträger einen Zuschuß des Landes zu bestandserhaltenden Maßnahmen erhalten, der etwa 25 % der Eigenleistung betragen sollte.

Bibliotheken und Archive sind durch finanzielle Zuschüsse in die Lage zu versetzen, daß sie Aufträge für bestandserhaltende Maßnahmen an qualifizierte Betriebe in der freien Wirtschaft vergeben können.

Die personelle und sachliche Ausstattung der Restaurierungswerkstatt des Landesarchivs Schleswig-Holstein ist so zu verbessern, daß sie Funktionen einer Zentralstelle für die Restaurierungsmaßnahmen an Urkunden, Handschriften und alten Drucken in Archiven und Bibliotheken in Schleswig-Holstein erfüllen kann.

Für die Ermittlung, Koordinierung und Durchführung von Bestandserhaltungsmaßnahmen in Schleswig-Holstein ist ein Gutachtergremium einzusetzen, in dem Prioritäten für die Mittelvergabe für Bestände, die restauriert, verfilmt oder digitalisiert werden sollen, landesweit abzustimmen sind.

Die digitale Bibliothek
In den 90er Jahren vollzog sich auf dem Gebiet der Datenverarbeitung und Telekommunikation eine stürmische Entwicklung, die neue Speicher- und Trägermedien hervorbrachte und zu veränderten Angebots- und Nutzungsformen führte, die große Akzeptanz bei den Wissenschaftlern fanden. Nicht zufällig ist das Internet, das inzwischen eine Schlüsselstellung einnimmt, zuerst als Kommunikationsinstrument unter Wissenschaftlern entwickelt worden, ehe es später Eingang in nahezu alle Lebensbereiche fand. Die wissenschaftlichen Bibliotheken stehen durch diese Entwicklung gegen Ende des Jahrzehnts vor einer Situation, die bei Abfassung des Bibliotheksentwicklungsplanes zu Beginn der 90er Jahre nicht zu erahnen war. Schlagworte wie weltweite Vernetzung, Digitalisierung, virtuelle Bibliothek u.dgl. deuten an, worum es dabei geht. Mit automatisierten Geschäftsgängen, Online-Katalogen und EDV-gestützter Ausleihe allein ist es inzwischen nicht mehr getan.
Die Veränderungen haben zwei scheinbar entgegengesetzte Folgen.

Einerseits verlieren die wissenschaftlichen Bibliotheken ihr Quasi-Monopol bei der Versorgung von Forschung, Lehre und Studium mit Studien-, Quellen- und Forschungsliteratur. Forschungsresultate und Datenbestände, die der Forschung als Material dienen, werden nicht mehr nahezu ausschließlich als Druckerzeugnisse in Regie von Verlagen hergestellt und mit Hilfe des Buchhandels verbreitet, um dann von Bibliotheken erworben, aufbereitet gespeichert und schließlich den Benutzern zur Verfügung gestellt werden. Immer häufiger bieten Wissenschaftler ihre Arbeitsergebnisse im Internet an. Institutionen und sogar Privatpersonen machen es sich zur Aufgabe, Datenbestände aller Art, auch Teile der kulturellen überlieferung, auf diese Weise für Interessenten in aller Welt zugänglich zu machen, erforderlichenfalls in Multimedia-Qualität. Die Verleger wissenschaftlicher Zeitschriften gehen zur Distribution ihrer Produkte auf elektronischem Weg über („E-Zeitschriften“), wenn auch derzeit meist noch parallel zu den konventionellen Vertriebsformen als gedruckte Zeitschriften. Für diese neuen Formen der Veröffentlichung bedarf es der Bibliotheken als Teil des Weges vom Erzeuger zum Benutzer nicht mehr.

Andererseits erwachsen den Bibliotheken aus der gleichen Entwicklung neue Aufgaben der Beschaffung, Vermittlung und Verwahrung. Bei aller Benutzerfreundlichkeit, die elektronische Medien und Telekommunikationsvorgänge teilweise kennzeichnen, ist es keineswegs so, daß alle Daten für jeden ohne weiteres zugänglich wären. Es gibt trotz aller Freiheit in der Internet-Welt technische, ausstattungsmäßige und rechtliche (vor allem lizenzrechtliche) Schranken, für deren überwindung die Hilfe der Bibliotheken nötig ist. Dabei geht es nicht darum, dem Bibliothekspersonal Aufgaben zu verschaffen, die anderweitig ebenso gut erfüllt werden könnten. Bibliotheken sind keine Einrichtungen, die um ihrer selbst willen bestehen, sondern treten dort ein, wo sie unersetzlich sind oder Vorteile hinsichtlich Effektivität und Komfort für die Benutzer bieten.

Die Fortschreibung des Bibliotheksentwicklungsplans für Schleswig-Holstein hat nicht den Ehrgeiz, die Voraussetzungen und Folgen der neuen Entwicklungen auf theoretischer Ebene umfassend darzustellen. Vielmehr beschränkt sie sich auf das, was im jeweiligen Zusammenhang zum Verständnis nötig ist. Eigenheiten, die nur für Schleswig-Holstein Geltung hätten, gibt es ohnehin nicht. Von kompetenten Instanzen existieren Studien, auf die Bezug genommen werden kann (6). In besonderem Maß gilt das für den Bericht der Kommission für Neue Informations- und Kommunikationstechnologien für wissenschaftliche Bibliotheken beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst (IKB-Kommission) (7).

Die zukünftigen Aufgaben der Bibliotheken dürfen bei allem Nachdruck, der auf die neuen Informations- und Kommunikationstechniken gelegt werden muß, nicht auf diesen Sektor verkürzt werden. Abgesehen von dem riesigen Fundus gedruckter Literatur, der in den Bibliotheken heute vorhanden ist und der auch weiterhin wie gewohnt den Benutzern zur Verfügung gestellt werden muß, erscheint die wissenschaftliche Neuproduktion überwiegend weiterhin in Form gedruckter Bücher und Zeitschriften. Sogar auf Gebieten, in denen die Nutzung digitaler Medien längst Routine ist, kommen neue gedruckte Zeitschriften auf den Markt. Die bayerische IKB-Studie schätzt, daß selbst auf längere Sicht allenfalls 20 % der wissenschaftlichen Neuproduktion in digitaler Form publiziert werden, und dies in erheblichem Umfang lediglich parallel zur gedruckten Veröffentlichung. Dabei ist mit einer deutlichen Differenzierung nach Fachgebieten und Literaturtypen zu rechnen. Es ist wichtig, sich diesen Sachverhalt bei der Einschätzung des Ressourcenbedarfs klar vor Augen zu führen.

Die neuen Informationstechniken treten in der Hauptsache komplementär zu den vorhandenen Versorgungswegen hinzu, und steigern die Effizienz der Mediennutzung. Kosten werden im Ergebnis bei den Bibliotheken nicht eingespart, sondern im Gegenteil werden erhebliche zusätzliche Mittel durch die neuen Entwicklungen erforderlich. Auf diese entscheidend wichtige Tatsache, die im Nachfolgenden zu verdeutlichen ist, sei an dieser Stelle mit größtem Nachdruck grundsätzlich hingewiesen.

Digitale Medien - neue Tätigkeitsfelder der Bibliotheken
Außer Büchern und Zeitschriften, den herkömmlichen Medien der wissenschaftlichen Kommunikation, und einigen neueren Medien wie analogen Bild- und Tonträgern oder Mikroformen müssen die Bibliotheken künftig im großen Umfang digitalisierte Datenbestände unterschiedlicher Art aus aller Welt erwerben, erschließen, den Benutzern zugänglich machen und auch für die langfristige Verfügbarkeit speichern, wenn dies zur Erfüllung von Archivfunktionen erforderlich ist.

Die Nutzung außerhalb der Bibliotheken erstellter elektronischer Datenbestände begann in den 80er Jahren mit der Einrichtung sogenannter Informationsvermittlungsstellen, die Recherchen, meist bibliographischer Art, in internationalen Datenbanken als Einzelaufträge von Benutzern ausführten. Zu Beginn der 90er Jahre wurde mit dem Einzug der CD-ROM ein weiterer Schritt vollzogen, und seither wurden in vielen Bibliotheken auch Internet-Zugänge eingerichtet. Gleichwohl steht die Entwicklung zur „digitalen Bibliothek“ noch am Anfang. Veränderungen, die zunächst nur bei einzelnen Aufgaben auftraten, haben inzwischen nahezu alle Bereiche der bibliothekarischen Tätigkeit erfaßt. Bei der Erwerbung kam zur gewohnten Anschaffung von Büchern, Zeitschriften und anderem der Umgang mit Nutzungslizenzen und Zugangsrechten hinzu. Eine Bibliothek ist heute hinsichtlich ihres Reichtums an Ressourcen nicht allein durch die Bestände gekennzeichnet, die sie besitzt, sondern auch durch die Zugangsrechte zu elektronischen Daten, die sie ihren Benutzern zur Verfügung stellen kann. Bei der Katalogisierung geht es jetzt nicht nur darum, den neu erworbenen Bestand durch Titelaufnahmen, selbstverständlich in elektronischer Form und im Verbund mit anderen Bibliotheken, zu erschließen. Auch für den älteren Bestand müssen die zumeist in Zettelform vorliegenden bibliographischen Nachweise in maschinenlesbare Form überführt, also digitalisiert werden ( Katalog-Konversion ). Darüber hinaus müssen die Titelaufnahmen zur Anpassung an die im digitalen Umfeld veränderten Recherche-Ansprüche (Suchmaschinen) angereichert werden durch die Eingabe von Inhaltsverzeichnissen, Registern und Abstracts . Da es sich dabei um eine sehr anspruchsvolle Aufgabe handelt, kann sie nur arbeitsteilig (und zwar bezogen auf ganz Deutschland) erledigt werden. Für die wissenschaftlichen Bibliotheken Schleswig-Holsteins heißt das, daß sie auf den Fachgebieten tätig werden müssen, auf denen ihnen landes- oder bundesweit besondere Zuständigkeiten zugewiesen sind oder auf denen sie über sonstige besonders bemerkenswerte Bestände verfügen. So muß z. B. die Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft die wichtigen welt- und volkswirtschaftlichen Veröffentlichungen in der zuvor charakterisierten Weise tiefer erschließen als bisher. Die Universitätsbibliothek Kiel muß ihre Bestände zu Skandinavien und Kanada sowie einige weitere Bestandsschwerpunkte in gleicher Weise behandeln und die Landesbibliothek die Erschließung des wichtigen landeskundlichen Schrifttums ebenfalls über die bibliographische Verzeichnung hinaus intensivieren.

Mit einer verbesserten Erschließung der Buch- und Zeitschriftenbestände allein ist es jedoch nicht getan. Die Bibliotheken müssen zukünftig elektronische Volltexte im erheblichen Umfang zur Verfügung stellen. Das hat zu geschehen sowohl durch übernahme derartiger Daten von fremden Lieferanten als auch durch Erzeugung und Präsentation von elektronischen Texten in eigener Zuständigkeit. Für die Übernahme von anderen Lieferanten wurde auf die z. T. neuartigen Erwerbungsbedingungen schon hingewiesen. Bei den eigenen Materialien ist unter Beachtung des Urheberrechts an die Digitalisierung eigener Bestände zu denken, die am Ort und außerhalb besonderes Interesse finden, sowie an die Darbietung der Dissertationen der eigenen Hochschule im Internet. Auch für die Präsentation dieses Materials ergeben sich früher unbekannte Bedingungen. Teils stehen sie als CD-ROM (bzw. als neueres Trägermedium DVD) noch physisch real am Ort zur Verfügung, teils sind sie dort nur noch virtuell in Form des Zugangs zu Servern verfügbar, die sich an anderen Orten befinden. Was die Erschließung der Volltexte anbelangt, müssen sie voll und ganz in das für alle anderen Medien geltende Erschließungssystem integriert werden, und zwar ggf. unter Anreicherung der bibliographischen Metadaten durch Abstracts. Denn es ist davon auszugehen, daß die Benutzer ihre Literatur unabhängig vom physikalischen Charakter einer Veröffentlichung benötigen und suchen. Deshalb muß das Erschließungssystem über die Integration aller Medienarten hinaus so gestaltet werden, daß die unterschiedlichen Arten der Zugangsberechtigung, die sich aus den angesprochenen rechtlichen Verfügbarkeitsbedingungen ergeben, im Nachweissystem zugleich auch verwaltet werden. Damit sind Suche und Zugang direkt miteinander verknüpft. Voraussetzung dafür ist, daß die bisher eingesetzte Bibliothekssoftware weiterentwickelt wird. Ansätze dazu bestehen bereits.

Hinsichtlich der Erwerbung und Erschließung sowie der rechtlichen Zugangsbedingungen erheben Bilddaten, eine weitere wichtige Form neuer Medien in wissenschaftlichen Bibliotheken, keine über das beschriebene Maß hinausgehende Ansprüche. Wohl aber ist dies in technischer Hinsicht der Fall. Für akustische Datenbestände wiederum sind besondere räumliche und apparative Vorkehrungen erforderlich.

Ein gänzlich neuartiges Problem für Bibliotheken stellt die langfristige Aufbewahrung digitalisierter Daten dar. Anders als gedruckte Texte, die - geeignete Sicherungsmaßnahmen vorausgesetzt - unveränderlich bleiben, sind elektronische Daten leicht veränderlich und „flüchtig“. Daß Fundstellen nach kurzer Zeit schon nicht mehr auffindbar sind, ist eine Alltagserfahrung im Internet. Dagegen läßt sich auf der gesamten Breite des Angebots wenig ausrichten. Weil es aber zu den Wesenseigenheiten des wissenschaftlichen Erkenntnisfortgangs gehört, daß die Datengrundlagen, auf denen der Verlauf des wissenschaftlichen Diskurses beruht, stets sicher rekonstruierbar sein müssen, haben Bibliotheken die Aufgabe, besonders wichtige Quellen in authentischer Gestalt für die Dokumentationen des Erkenntnisprozesses zu sichern, das heißt den richtigen Zeitpunkt festzustellen, an dem das Dokument ggf. zu speichern ist, um es vor Veränderung und Verlust zu schützen. Andere Institutionen für diese Aufgabe sind nicht auszumachen. Insbesondere sind die ursprünglichen Anbieter der Daten an einer langfristigen Aufbewahrung oftmals nicht interessiert. Die Bibliotheken werden von ihrer Archivierungsaufgabe selbst dann nicht dispensiert, wenn die derzeitigen Benutzer keinen Wert auf die langfristige Verfügbarkeit ihrer Quellen legen. Selbstverständlich muß diese umfassende Aufgabe arbeitsteilig über Schleswig-Holstein hinaus organisiert werden. Den hiesigen Bibliotheken fällt aber ein Anteil daran zu, der sich aus den bereits angesprochenen Sonderaufgaben einzelner Institutionen ableitet. Archivierung ist ein Speicherproblem (Speicherkapazität und -software), aber auch ein organisatorisches und rechtliches Problem. Zudem ist dafür zu sorgen, daß die Daten in Formen konvertiert werden, in denen sie über lange Zeit nach vielen Generationswechseln der Soft- und Hardware noch nutzbar sind.

Welche finanziellen Aufwendungen sind für die digitalen Medien zu leisten?

Abgesehen vom Personalaufwand und von den Hard- und Software-Investitionen, die noch eigens zu behandeln sind, fallen Kosten für die Digitalisierung und für den Erwerb von Nutzungslizenzen und Zugangsrechten an. Nach Möglichkeit muß zur Kostensenkung versucht werden, für mehrere Bibliotheken gemeinsame Lizenzrechte zu erwerben, auch länderübergreifend, z. B. im Rahmen des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes.

Die Digitalisierung der Zettelkataloge (Retrokonversion) ist besonders dringlich. Sie kann in den meisten Fällen nur durch einschlägige Firmen in einem vertretbaren Zeitrahmen geleistet werden. Nach dem Preisstand von 1998 sind dafür je nach Größe und Beschaffenheit des Kataloges ungefähr 2,-- DM pro Titelaufnahme zu zahlen.

Die Bibliotheken des Landes unterscheiden sich je nach ihrer Funktion und nach der Zusammensetzung der Benutzerschaft hinsichtlich des Mittelbedarfs für den Erwerb digitaler Medien, so daß allgemeingültige Aussagen dazu schwerlich möglich sind. Hinzu kommt, daß die Preisentwicklungen auf diesem Markt sehr unübersichtlich und kaum prognostizierbar sind. Für jede einzelne Bibliothek ist der Mittelbedarf festzustellen. Eine indirekte Vergleichsmöglichkeit liefert die IKB-Studie (S. 19) für die Universitätsbibliothek Kiel. Der zusätzliche Mittelbedarf für digitale Medien, Nutzungslizenzen und Zugangsrechte bei den bayerischen Universitätsbibliotheken wird in dieser Studie auf 425.000 DM pro Jahr bemessen. Kommt, wie im Fall der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, ein DFG-Sondersammelgebiet (Philosophie) hinzu, sind noch 10 % aufzuschlagen, also 468.000 DM p. a. Mutatis mutandis ist die Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg nach Fächerspektrum und Zahl der Studierenden mit der Universitätsbibliothek Kiel vergleichbar, die ebenfalls ein DFG-Sondersammelgebiet (Kulturkreis Nordeuropa) betreut. Für die Universitätsbibliothek Kiel müßten auf dieser Bemessungsgrundlage folglich ebenfalls 468.000 DM für neue Medien p. a. zusätzlich zur Verfügung gestellt werden, ein Betrag, der auf der Basis des Jahres 1997 gemäß der Preisänderungsrate fortzuschreiben wäre.

Die haushaltsrechtlichen Bestimmungen müssen flexibler werden. Sie müssen die Übertragbarkeit über die Jahresgrenze hinaus zulassen.

Digitale Medien - Neue apparative Ausstattung
Die neuen Medien und die damit verbundenen neuen Aufgaben setzen voraus, daß die technische Ausstattung weit über das hinaus verbessert wird, was der Bibliotheksentwicklungsplan 1990-2000 dazu enthält und was gegenwärtig in den Bibliotheken vorhanden ist.

Diese Aussage gilt für die Netzbeschaffenheit, die Software und die apparative Ausstattung. Sie gilt für das dem Management der neuen Medien dienende Instrumentarium und für die Ausstattung, die den Benutzern zur Verfügung gestellt werden muß.

Die digitale Bibliothek ist eine vernetzte Bibliothek. Mit wenigen Ausnahmen, in denen aus Sicherheitsgründen vom Netz unabhängige DV-Arbeitsplätze und Stationen eingerichtet werden müssen, sind alle nachfolgend beschriebenen Elemente Teile des innerhäuslichen, regionalen oder weltweiten Netzes. Deshalb sind leistungsfähige Datenleitungen nach dem Stand der Technik Voraussetzung für die digitale Bibliothek. Besonders hohe Anforderungen an die Übertragungsleistungen stellen die Multimedia-Anwendungen.

Intern benötigen die Bibliotheken leistungsfähige Server, vor allem für die Speicherung von eigenen Datenbeständen und von Daten fremder Provenienz, die temporär oder dauerhaft aufbewahrt werden sollen.

Für den schnellen und dauerhaften Zugriff auf digitale Dokumente und elektronische Volltexte sind Dokumentenserver erforderlich, die landesweit sowie für die Seviceaufgaben der überregional tätigen Bibliotheken bundesweit notwendigen Kapazitäten zur Verfügung stellen.

Für die wachsende Menge von auf Speichermedien vorhandener Literatur sind Server mit angeschlossenen Medienwechslern (Jukeboxen) vorzusehen, die es von jedem an das Netz angeschlossenen zugriffsberechtigten Arbeitsplatz ermöglichen, die hier abgelegten Informationen abzurufen.

Zusätzlich zu den schon erwähnten Typen von Servern sind Benutzerserver vorzusehen, auf denen Dateien, die von den Benutzern selbst erzeugt wurden, und Dateien, die für einzelne Benutzer bestimmt sind (z. B. elektronische Nachrichten oder Dateien, die im Fernleihverkehr übermittelt worden sind), zeitweilig gespeichert werden können.

Der Betrieb der Benutzerserver ist mit Personalaufwand verbunden, der sich durch den Einsatz von Chipkarten mindern läßt. Ein Benutzer identifiziert sich mit seiner persönlichen Chipkarte an einem entsprechend ausgerüsteten PC und erhält damit Zugang zu allen für ihn freien Anwendungen. Die Chipkarte könnte zudem der Abbuchung von Geldbeträgen für entgeltpflichtige Leistungen dienen. Außerdem ließe sich damit beim Verlassen des Arbeitsplatzes die ordnungsgemäße Abmeldung sowie das selektive Löschen von Dateien sicherstellen, die vom Benutzer auf dem PC oder dem Server abgelegt worden sind.

Drucker sollten in der Regel nicht unmittelbar an den Benutzerarbeitsplätzen zur Verfügung gestellt werden, weil sie besonders störungsanfällig, betreuungs- und platzaufwendig sind. Druckausgaben können zentral an einer Stelle, bei größeren Mengen zudem auch nur gegen Kostenerstattung ausgeführt werden. Ob Bibliotheken auch „Printing on Demand“ für Verlagsprodukte leisten sollten, ist umstritten. Zumindest im Planungszeitraum könnte darauf verzichtet werden.

Wie die Drucker sollten auch Scanner nicht an den einzelnen Benutzerarbeitsplätzen eingerichtet, sondern zentral zur Selbstbedienung vorgehalten werden. Die Bibliothek selbst kann Aufträge zum Scannen ausführen, ggf. gegen Entgelt. Zentrale Scannerdienste sind auch für die elektronischen Dokumentlieferdienste für auswärtige Adressaten (Bibliotheken, andere juristische und natürliche Personen) wie GBV-direkt oder SUBITO einzurichten. Bei den Hochschulbibliotheken sind vergleichbare hochschulinterne Lieferdienste der Bibliotheken unverzichtbar.

Die Ausstattung der Benutzerarbeitsplätze mit vernetzten Personal Computern ist der Kern einer digitalen Bibliothek.

Personal Computer dienen genau wie Bücher und Zeitschriften der Informationsbeschaffung. Dementsprechend sind sie mit Hard- und Software zu bestücken. Als Vollarbeitsplätze, die für die Abfassung von Seminar- und Examensarbeiten oder anderen umfänglichen Texten benutzt werden können, sollten sie in der Regel nicht eingerichtet werden.

Zwei Haupttypen von PC-Arbeitsplätzen sind zu unterscheiden:

  • Gewöhnliche Recherche-Arbeitsplätze, an denen Recherchen in Datenbeständen der Bibliothek, in CD-ROM- bzw. DVD-Datenbanken und im Internet ausgeführt werden können. Handelt es sich um einen größeren Gerätepool, kann es zweckmäßig sein, einen Teil der Geräte für bestimmte Teilfunktionen des Gesamtspektrums zu reservieren, z. B. für Katalogrecherchen und Bestellfunktionen, für die Suche in CD-ROM-Datenbanken, für WWW-Recherchen oder für den Versand von E-Mails.
  • Multimedia-Arbeitsplätze, die sich von den gewöhnlichen Recherche-Arbeitsplätzen durch eine höhere Leistung des Datenübertragungsnetzes, durch besonders hoch auflösende Monitore, durch Zugang zu Hochleistungsdruckern und durch Kopfhörer unterscheiden. Multimedia-Arbeitsplätze stellen auch höhere Ansprüche an die räumlichen Gegebenheiten. Wegen der hohen zusätzlichen Kosten, die damit verursacht werden, muß besonders sorgfältig abgewogen werden, zu welchem Anteil die Benutzer-Arbeitsplätze als Multimedia-Arbeitsplätze ausgelegt werden müssen.


Für alle Arten von PC-Arbeitsplätzen gilt, daß sie hohen ergonomischen Standards gerecht werden müssen. Ferner muß bei den meisten Geräten durch Disketten- und andere Wechsellaufwerke die Möglichkeit bestehen, die Rechercheergebnisse abzuspeichern und auf andere Personal ComPuter zu übertragen. Ebenso benötigen die meisten Benutzergeräte Zugang zum zentralen Speicherserver, Drucker und Scanner.

In welchem Umfang eine Bibliothek PC-Benutzerarbeitsplätze bereitzustellen hat, hängt von den Rahmen- und Randbedingungen ab. Für Hochschulen ist zu berücksichtigen, daß die zentrale Hochschulbibliothek nicht die einzige Einrichtung ist oder sein sollte, die PC-Plätze anbietet. Zumindest das wissenschaftliche Personal verfügt am Arbeitsplatz über Personal Computer. Auch für Studierende sind in den Fakultäts- bzw. Institutsräumen und/oder im Rechenzentrum PC-Arbeitsplätze einzurichten („PC-Labor“). Räume für Lehrveranstaltungen müssen in Regie der Fakultäten mit moderner DV-Technik ausgerüstet werden. In allen Bibliotheken beschränken räumliche Gegebenheiten die Zahl der PC-Arbeitsplätze, auch wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Diese Arbeitsplätze beanspruchen mehr Fläche als konventionelle, weil ein Teil der Arbeitsfläche vom Bildschirm und der Tastatur in Anspruch genommen wird. Für einen konventionellen Arbeitsplatz werden 2,5 m² benötigt, für einen PC-Arbeitsplatz jedoch 3,5-4 m². Außerdem ist eine erhöhte Nutzungsintensität dieser Arbeitsplätze zu erwarten. Das führt zu verlängerten Belegungszeiten mit der Folge, daß mehr Plätze benötigt werden, und verschärft die Notwendigkeit, durch möglichst ausgedehnte öffnungszeiten für eine maximale Nutzung der Investitionen zu sorgen, die in die Bibliotheken getätigt werden müssen.

Nicht auf jedem Arbeitsplatz, den die Bibliothek zur Verfügung stellt, soll ein Personal Computer stehen. Es werden auch Plätze gebraucht, an denen unabhängig von der technischen Ausstattung Bücher und Zeitschriften gelesen werden können. Ein Teil der Leseplätze sollte aber auch so ausgestattet sein, daß dort benutzereigene Personal Computer („Notebooks“ usw.) verwendet werden können, möglichst nicht nur mit Stromanschluß, sondern auch mit Datenleitung zur Aufnahme einer Netzverbindung.

In dem Zeitraum, für den diese Fortschreibung des Bibliotheksentwicklungsplans gilt, wird sich das elektronische Buch etablieren. Zur Zeit bestehen mehrere Konzepte der technischen und ergonomischen Ausgestaltung nebeneinander, wobei es in erster Linie um die Erprobung geht, welche Form am ehesten von den Verbrauchern angenommen wird. Das Prinzip steht aber fest: Handliche Geräte von der Größe und vom Gewicht eines Buches werden temporär mit Daten geladen, die der Benutzer gerade benötigt. Das können Texte oder graphische Daten sein. Nach Gebrauch können die Daten gelöscht und bei Bedarf durch andere ersetzt werden. Als Stationen, an denen die gewünschten Dateien gegen Bezahlung geladen werden können, gleichsam als Zapfstellen für das elektronische Buch, kommen Buchhandlungen in Frage. Ob die Bibliotheken in dieses System einbezogen werden und in welchem Umfang und auf welche Weise das dann ggf. geschieht, ist gegenwärtig (Ende 1998) noch nicht abzusehen.

Da der Ausbau der apparativen Ausstattung in den einzelnen Bibliotheken je nach ihren Aufgaben sehr verschieden sein wird, wären allgemeine Aussagen für die Kosten der Geräteausstattung wenig sinnvoll, zumal Hardwarekosten über den Zeitraum von 5 Jahren sehr großen Veränderungen unterliegen.

Die Ausstattung einer Bibliothek mit Datentechnik ist kein einmaliger Akt, sondern ein fortwährender Prozeß der Erneuerung. Alljährlich sind Ergänzungs- und Ersatzbeschaffungen erforderlich. Deshalb muß für jede Bibliothek in jedem Haushaltsjahr ein fester Mindestposten für diesen Zweck eingerichtet werden.

Die digitalen Medien und das Bibliothekspersonal
Bibliotheken sind Einrichtungen des Dienstleistungssektors, genauer gesagt des Informationsbereichs. Wissenschaft und Politik sind sich darin einig, daß hier die Stelle ist, an der in Zukunft die im industriellen Sektor entfallenden Arbeitsplätze anzusiedeln sind. Die Bibliotheken passen genau in dieses Bild, indem sie im Zeichen der Entwicklung zur digitalen Bibliothek mehr, vor allem aber auch qualifizierteres Personal benötigen als früher.
Zwar lassen sich durch die Verbundkatalogisierung und den integrierten Geschäftsgang sowie durch Automatisierung der Fernleihe Arbeiten und damit Stellen einsparen, doch fallen andererseits durch die zusätzlichen Aufgaben bei der Erwerbung und der Erschließung der digitalen Medien sowie bei der vertieften Erschließung des herkömmlichen Materials neue qualifizierte Aufgaben an. Vor allem aber werden für die Betreuung der neuen Medien hochqualifizierte Fachleute benötigt. Erstens erfordert der technische Betrieb und das Management der neuen Medien einschließlich Software-Aktualisierung entsprechend ausgebildete Arbeitskräfte. Zweitens bedarf es bei den neuen Medien einer viel intensiveren direkten Benutzerbetreuung als bei lediglich konventionellen Benutzungsformen. Ohne die Hilfe von kompetenten Ansprechpartnern im Bibliothekspersonal können viele Benutzer die Möglichkeiten der digitalen Bibliothek nur unzureichend verwerten.

Der Umgang mit elektronischen Medien hat inzwischen Eingang in alle bibliothekarischen Studien- und Ausbildungsgänge gefunden. Für die Sicherstellung eines fachlich qualifizierten Nachwuchses im eigenen Land ist durch die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen in ausreichendem Umfang Sorge zu tragen. Zugleich müssen die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die neuen Gegebenheiten vorbereitet werden. Deshalb, aber auch wegen der Notwendigkeit, ständig mit den schnellen Veränderungen Schritt zu halten, ist ein abgestimmtes Fortbildungsprogramm unabdingbar. In den Bibliotheken muß das Fachwissen der Mitarbeiter durch Schulungsmaßnahmen am Arbeitsplatz ständig aktualisiert werden. Darüber hinaus müssen regelmäßig landesweit Veranstaltungen durchgeführt werden, die eine Auffrischung und Vertiefung der Kenntnisse oder eine Spezialisierung ermöglichen. Der Anreiz zur Teilnahme an überregionalen Fortbildungsveranstaltungen ist durch Zuschüsse zu den Kosten zu erhöhen.

Grundsätzliche Aspekte
Die digitale Bibliothek bietet den Bibliotheksbenutzern entscheidend verbesserte Benutzungsmöglichkeiten. Bibliotheken, die den Weg zur digitalen Bibliothek nicht mit Erfolg einschlagen, büßen ihre Anziehungskraft ein und fallen zurück. Hochschulen, deren Bibliotheken in diese Lage geraten, erleiden im Wettbewerb mit den anderen Hochschulen Nachteile.

Die digitale Bibliothek verursacht zusätzliche Kosten in solcher Höhe, daß an deren Erwirtschaftung aus Einnahmequellen der Bibliotheken nicht zu denken ist. Auch Sponsorengelder lassen sich schwerlich im erforderlichen Umfang und in der notwendigen Stetigkeit einwerben. Deshalb müssen sich die Unterhaltsträger zur Übernahme der zusätzlichen Kosten bereitfinden.

Nicht übersehen werden darf, daß mit der Entwicklung zur digitalen Bibliothek auch eine große Gefahr für den freien Zugang zu Informationen verbunden ist. Sie liegt in dem System der Nutzungs- und Zugangsrechte. Sie sind in zahlreichen Fällen auf die Angehörigen der Einrichtung beschränkt, die diese Rechte gegen Entgelt erworben hat. Der Betreiber ist nicht berechtigt, den Kreis der Benutzer von sich aus zu erweitern. Er muß im Gegenteil sogar Maßnahmen ergreifen, die den Zugriff durch Unbefugte verhindern. Praktisch bedeutet das, daß es in Zukunft immer mehr Datenbestände gibt, die von Hochschulmitgliedern genutzt werden können, nicht aber von Außenstehenden. Die Bibliotheken, die an die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen gebunden sind, können an dieser Situation nichts ändern. Nur Institutionen, die auf gesetzliche Rahmenbedingungen einwirken können, also Parlamente und Regierungen, sind in der Lage, die Entwicklung zu beeinflussen.

Schlußbemerkung
Die beiden Komplexe „Bestandserhaltung“ und „Digitale Bibliothek“ sind die beiden Kernbestandteile dieser Fortschreibung des bereits 1990 erstmals vorgelegten Entwicklungsplans für die wissenschaftlichen Bibliotheken Schleswig-Holsteins. Mit ihnen sind aus bibliothekarischer Sicht die bis zum Jahr 2005 entscheidenden Themen benannt, denen sich aufgrund ihres finanziellen und personellen Volumens die wissenschaftlichen Bibliotheken nicht als einzelne Einrichtungen stellen können. Hier müssen gemeinsame Mittel und Wege gefunden werden, um den alten und neuen Anforderungen von Bibliotheken gerecht zu werden.

Maßnahmen zur Erhaltung des historischen Buch- und Handschriftenbestandes sowie Bereitstellung inkl. Klärung der Nutzungsbedingungen und Erschließung digitaler Medien bilden zwei Schwerpunktprogramme, die das Land Schleswig-Holstein zur Wahrung des historischen Kulturgutes auf der einen Seite und zur Schaffung und Erhaltung qualitätvoller Forschungs- und Lehreinrichtungen in den wissenschaftlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Landes durch entsprechende Förderung in Gang bringen muß.

Daneben bestehen für die einzelnen Bibliotheken und für deren Gesamtheit die schon 1990 vorgebrachten Empfehlungen und Forderungen in großen Teilen weiter. Im Rahmen des bereits Erreichten gilt es jetzt, Konservierung und Nutzung der Kulturgüter in den Bibliotheken weiter zu verbessern.

Fussnoten
(1) Dieser Plan wurde am 14.06.1999 von der Mitgliederversammlung des Landesverbandes Schleswig-Holstein e. V. im Deutschen Bibliotheksverband e. V. beschlossen.

(2) Bibliotheken in Schleswig-Holstein. Entwicklungsplan. Hrsg. vom Landesverband Schleswig-Holstein e. V. im Deutschen Bibliotheksverband e. V., Rendsburg 1990, Teil B: Wissenschaftliche Bibliotheken, S. 24-46.

(3) Bund-Länder-Arbeitsgruppe Papierzerfall. Bericht über Ursachen, Ausmaß, Wirkungen und Folgen des Papierzerfalls im Bibliotheks-, Archiv- und Verwaltungsbereich sowie Gegenmaßnahmen und Empfehlungen vom 15. Juni 1992. Berlin 1992 sowie Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken. Verfahren und Maßnahmen zur Rettung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände. Eine Studie der Bayerischen Staatsbibliothek im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bearbeitet von Maria Mann. Berlin 1994 (dbi-materialien 135). Vgl. ferner: Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken. Hrsg. von Hartmut Weber. Stuttgart 1992 (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Serie A: Landesarchivdirektion, Heft 2).

(4) Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände. In: Bibliotheksdienst 28 (1994) S. 479-493, hier S. 490f. (auch abgedruckt in: Rechtsvorschriften für die Bibliotheksarbeit. 3., überarb. und erw. Ausgabe, hrsg. von der Rechtskommission des Deutschen Bibliotheksinstituts, Berlin 1998 [dbi-materialien 172], S. 87-99, hier S. 97).

(5) Bestandserhaltung. Herausforderung und Chancen. Hrsg. von Hartmut Weber, Stuttgart 1997 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg 47). Darin auch der Text der KMK-Empfehlung vom 7. Februar 1995 im Auszug.

(6) Vor allem zu nennen ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), von der hier mehrere Empfehlungen zu zitieren sind: DFG: Die Ausstattung von Hochschulbibliotheken mit lokalen Bibliothekssystemen im HBFG-Verfahren (AHLB). Empfehlungen des Bibliotheksunterausschusses für Datenverarbeitung und Kommunikationstechniken und der Kommission für Rechenanlagen. 2. akt. Auflage 1996; DFG: Neue Informations-Infrastrukturen für Forschung und Lehre. Empfehlungen des Bibliotheksausschusses und der Kommission für Rechenanlagen. In: Zeitschrift f. Bibliothekswesen u. Bibliographie 43 (1996) S. 133-155; DFG: Elektronische Publikationen im Literatur- und Informationsangebot wissenschaftlicher Bibliotheken. In: Zeitschrift f. Bibliothekswesen u. Bibliographie 42 (1995) S. 445-463; DFG: Dokumentlieferung für Wissenschaft und Forschung. Perspektiven zur weiteren Entwicklung. In: Zeitschrift f. Bibliothekswesen u. Bibliographie 41 (1994) S. 375-392; DFG: Weiterentwicklung der überregionalen Literaturversorgung. Memorandum. In: Zeitschrift f. Bibliothekswesen u. Bibliographie 45 (1998) S. 135-164. Instruktiv auch der Bericht über ein Göttinger Kolloquium im Herbst 1997: Informationsinfrastruktur im Wandel. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 22 (1998) S. 13-96. - Rowley, J.: The electronic library. 4th ed. London: Library Ass. 1998.

(7) Bayerisches Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst. Neue Informations- und Kommunikationstechnologien für wissenschaftliche Bibliotheken. Bericht der IKB-Kommission. München 1997.