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Zwischen den Kriegen - Peter Rühmkorf, Werner Riegel, Kurt Hiller und die Gegen-Avantgarde der 50er und 60er Jahre

Ausstellungszeit

 

08.06.2009-30.06.2009

 Presse

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Sie waren die literarische Gegen-Avantgarde der frühen 50er Jahre: die „Finisten“. Mit ihrem kompromisslosen Programm des „Finismus“ arbeiteten sie – gegen die Positionen der Gruppe 47 – an der letzten Zusammenfassung aller Avantgarden, einem literarischen Endzeitprojekt, dem umfassenden „Poesieputsch“.

Die Ausstellung anlässlich des ersten Todestages Peter Rühmkorfs (1929-2008) beleuchtet die engen Verbindungen der Freunde Rühmkorf und Werner Riegel (1925-1956) zu dem Impresario des literarischen Expressionismus und prominenten Weltbühnen-Autors Kurt Hiller (1885-1972). Sie führt zu den Wurzeln der Studentenbewegung von 1968 und zeigt den Kampf einer kleinen Literaturguerilla, die sich – einen damals für wahrscheinlich gehaltenen Dritten Weltkrieg vor Augen – als Generation zwischen den Kriegen fühlte und mit ihrer hektographierten Zeitschrift Zwischen den Kriegen – Blätter gegen die Zeit die Welt verändern wollte. Bemessen an einer Auflagenhöhe von zirka 150 Stück muss das Vorhaben heute reichlich ambitioniert erscheinen und könnte womöglich als Fußnote der Literaturgeschichte verbucht werden, wäre aus ihm heraus nicht jenes Magazin entstanden, das die bundesrepublikanische Nachkriegswirklichkeit maßgeblich mit beeinflusst hat: Konkret. Die Ausstellung macht deutlich, wie sich Form und Inhalt der frühen Konkret und ihrer Vorläufer, wie sich ihre Initiatoren – allen voran Rühmkorfs Freund Klaus Rainer Röhl – und wichtigsten Redakteure an einer vergangenen Literaturepoche orientierten, deren überlebender Repräsentant Kurt Hiller (der erst 1955, fast 70-jährig, aus seinem Londoner Exil nach Deutschland zurückkehrte) zum literarischen Hausgott avancierte und anfänglich prägende Kraft und Richtungsgeber eines Blattes war, das sich radikale Autonomie und Modernität auf die Fahnen geschrieben hatte. Nachgezeichnet wird ein Drei-Mann-Dramolett, an dessen Ende nicht nur der frühe tragische Tod eines Hauptakteurs steht (Werner Riegel stirbt 1956), sondern die Geburt des zentralen Organs der 68er-Bewegung. 

Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl der sehr seltenen Hefte von Zwischen den Kriegen und ihrer Nachfolger Studenten-Kurier und Konkret. Gezeigt werden Erstausgaben früher Werke von Rühmkorf und Werner Riegel neben Fotografien und Zeichnungen, Entwürfen und Briefen aus den Nachlässen Werner Riegels und Kurt Hillers.

Begleitbuch
Zwischen den Kriegen. Werner Riegel, Klaus Rainer Röhl und Peter Rühmkorf. Briefwechsel mit Kurt Hiller 1953-1971. Hrsg. von Rüdiger Schütt. München: edition text + kritik, 2009 – 427 Seiten, 60 Abbildungen: € 34  - Rezension

Führung: Donnerstag, 18. Juni 2009, 18 Uhr. Öffentliche Führung durch die Ausstellung mit anschließender Lesung aus dem Briefwechsel Peter Rühmkorfs und Werner Riegels mit Kurt Hiller.

Ausstellungskonzept und Kontakt:
Dr. Rüdiger Schütt