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Startseite Ausstellungen Seiltänzer und Blaue Stunde. Künstlerbücher und Grafiken von Svato Zapletal

Seiltänzer und Blaue Stunde

Künstlerbücher und Grafiken von SVATO ZAPLETAL
 

Ausstellungszeit

vom 25.10.2012 bis 19.01.2013

Presse

 

aus matthias politycki, freischwimmer. farblinolschnitt, 2011.1.jpg„Verlorene Form“ hat nichts mit Schusseligkeit zu tun. Und ein Druckstock ist kein Folterinstrument –  ab dem 25. Oktober hat man in der Unibibliothek Kiel Gelegenheit, zu sehen, wie mit traditioneller Buchdrucktechnik Bücher und Grafiken von besonderem Wert entstanden sind, Künstlerbücher und Grafiken als Pressendrucke; mit einem handwerklichen Können und Wissen, das heute rar geworden ist.

Schöne Bücher wird es in einer Schriftkultur immer geben – die schönsten aber sind handgemacht und künstlerisch gestaltet. Der Text, gesetzt mit Bleilettern aus dem Setzkasten oder an einer Linotype-Maschine und illustriert mit meist farbigen Linol- und Holzschnitten, abstrahierend oder mit realistisch schwungvollem Strich, wie bei den Arbeiten des Grafikers und Büchermachers Svato Zapletal. Seine Bücher und Grafiken sind trotz all der aufwendigen Technik und Handwerkskunst von schöner Leichtigkeit, von leuchtender Farbigkeit und ausdrucksstark in der bildnerischen Interpretation des ausgewählten literarischen Textes.

Der Titel der Ausstellung „Seiltänzer und Blaue Stunde“ verweist einerseits auf diese Beschwingtheit, Freiheit und lebendige Farbigkeit, die viele seine Grafiken und Illustrationen kennzeichnen; andererseits zitiert er damit Klabund und Gottfried Benn als zwei Dichter des Expressionismus, die ihm sehr nahestehen. Svato Zapletal zeigt in Kiel viele der in 36 Jahren als Edition herausgegebenen Bücher, ergänzt durch seine grafischen Arbeiten und Einblattdrucke. Darüber hinaus gehören auch zahlreiche Bilder und Holzobjekte zu seinem unverkennbaren Werk.

Angefangen hat Zapletal bereits während des Kunst-Studiums im Hamburg der 70er Jahre. Er wollte – damals noch mit zwei Freunden – junge Autoren verlegen, gründete einen Verlag und entdeckte seine Liebe zu den expressionistischen Dichtern. Fortan lässt er sich – bis heute - von deren Texten zu den für ihn so typischen Illustrationen inspirieren und druckt die Texte sowie die Linolschnitte in traditioneller Weise aufwändig auf einer Andruckpresse. Der in Hamburg und Tschechien lebende Künstler betreibt seit 1976 eine eigene Edition, den Svato Verlag. Seine Bücher sind mit ihrer klaren Farbgestaltung und der dahinterstehenden spürbaren Erfahrung aus 36 Jahren des Büchermachens herausragende Beispiele der zeitgenössischen Buchkunst, die Sinne und Verstand des Betrachters gleichermaßen ansprechen.
So entstehen in seiner Werkstatt in Mittelböhmen kostbare Bücher und Grafiken, die mittlerweile Liebhaber in ganz Deutschland und darüber hinaus finden. In diesem Sommer hat Zapletal sein 60. Buch herausgegeben; mit reich illustrierten Texten von Erik Satie, eher bekannt als Komponist, und dem sinnreichen Titel „Gedankengänge eines Dickkopfes“.

Das sinnliche Verhältnis Zapletals zu seinen Büchern teilt sich dem Betrachter mit. Er interpretiert mit seinen Grafiken meist zeitgenössische Autoren, wie Cees Nooteboom, Matthias Politycki, Peter Rühmkorf oder Doris Dörrie, sowie die expressionistische Dichtung. Trotz aller Abstraktion steht 
bei ihm immer der Mensch 
im Vordergrund. Ironische Verweise und literarische Ausdeutungen lassen seine Illustrationen vielschichtig wirken. Der Künstler hält immer wieder subtile Überraschungen für den Betrachter bereit, so dass neben der heiteren, unbekümmert wirkenden Ebene noch eine zweite, psychologische ins Spiel kommt. Und bei manchen Themen kann sich deren Darstellung auch bis auf monochrome Strichzeichnungen reduzieren.    

 

Vita

Von 1971 bis 77 studierte Svato Zapletal an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg Freie Kunst bei Hans Thiemann, Werner Bunz (Malerei), Gerhard Rühm und Richard von Sichowsky (Typografie), mit dem Schwerpunkt Grafik. Bereits 1976 gründete er den Svato Verlag, der seit 1979 als eine bibliophil und literarisch orientierte Edition bis heute besteht. In den Jahren 1976 bis ´ 82 arbeitete er auch als Bauarbeiter, Stuckrestaurator, Illustrator und Zeichner. Svato Zapletal lebt als freier Künstler in Hamburg und seit Mitte der 90´er Jahren auch wieder in Tschechien.

 

www.svato.de

 

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