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Handgeschöpftes Papier ... von M.Börnchen

Eine Ausstellung des Galilei-Gymnasiums Hamm/Westf., zusammengestellt von Dr. Martin Börnchen

Vom 5. Mai - 30. Juni 2004 zeigt die Universitätsbibliothek Kiel, Leibnizstr. 9, eine Ausstellung des Galilei-Gymnasiums Hamm/Westf. mit dem Thema "Handgeschöpftes Papier und worauf man sonst noch schrieb…". Diese Ausstellung ging aus dem Unterricht mehrerer Chemie-Differenzierungskurse eines 9./10. Schuljahres mit dem Thema "Chemie und Geschichte" hervor, so dass auch Schülerarbeiten zu sehen sind. Darüber hinaus trug Herr Dr. Martin Börnchen, der diese Ausstellung organisierte, umfangreiches Material zusammen.

Zunächst werden Stoffe vorgestellt, auf die man schrieb: Unter ihnen befindet sich eine Proto-Keilschrifttontafel aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. mit Rezepten für die Herstellung von Bier und Backwaren, ein wertvoller mit Hieroglyphen beschriebener Teil eines Mumiensarkophags aus der Zeit um 645 v. Chr. sowie ein Palmblattbuch eines buddhistischen Mönchs aus Südchina.

Ausgehend von einer Papyruspflanze, wie sie heute noch in den Sümpfen des Nils wächst, sieht man mit Hilfe rasterelektronenmikroskopischer Aufnahmen die heutige Herstellung des Papyrus und dessen Verwendung.

In der Vitrine über Pergament erhält der Betrachter Einblick in die Herstellung und Verwendung von Pergament, angefangen von einem aufgespannten Schafspergament bis hin zu einem Pergament-Kaufvertrag mit einem großen Siegel aus dem 18. Jh.

Erwähnt wird Xàtiva, südlich von Valencia gelegen, wo die Araber ab etwa 1150 das erste europäische Papier herstellten. Ein Faksimile des Tagebuches von Ulman Stromer zeigt, dass dieser ab 1390 in Nürnberg das erste deutsche Papier vor den Toren der Stadt an der Pegnitz schöpfte. Eine Tafel demonstriert, wie in Japan 1798 auf die gleiche Weise Papier geschöpft wurde wie 2004.

In einer weiteren Vitrine wird durch Modell und Objekte der gesamte Papierschöpfvorgang dargestellt, abgerundet durch handgeschöpfte Papiere aus aller Welt, die u. a. über einer nachgebauten Papierpresse aus dem 18. Jahrhundert hängen und angefasst werden sollten.

Großer Raum ist der Herstellung eines Wasserzeichens gewidmet, ergänzt durch seltene Papiere mit Wasserzeichen, z. B. einem Schattenwasserzeichen mit dem Porträt Friedrich II. oder Lenin, der die Prawda liest. Eine Besonderheit dürfte ein Kupfer-Drahtnetz mit dem Portrait Alfred Nobels sein, mit dem die Nobelpreisurkunden geschöpft wurden.

Leinen- und Hanflumpen spielten in der Vergangenheit der Papierherstellung eine große Rolle. So sorgte jeder Landesherr z. T. mit drastischen Methoden dafür, dass die Lumpen im eigenen Lande blieben.

Neben mehreren Faserpflanzen, wie z. B. Lein, Baumwolle, Zuckerrohr, Bambus, Sisalagave und südspanischem bzw. nordafrikanischem Halfagras, wächst in der Ausstellung ein asiatischer Papiermaulbeerbaum, aus dessen Bastfasern in Ostasien das wunderschöne japanische Papier geschöpft wird. Diese so genannten Kozo-Papiere flattern an verschiedenen Stellen im Ausstellungsraum.

Ein weniger bekannter Beschreibstoff der Indios in Mexiko und der Eingeborenen im Pazifikraum ist das Papel amate (spanisch) oder die Tapa (polynesisch). Beispiele dieses Rindenbaststoffes sowie geklopfte Schülerarbeiten sind neben Fotos von der Papel-amate-Herstellung ausgestellt, die eine mexikanische Ordensschwester im Dorfe San Pablito in der Sierra Madre im Auftrag des Galilei-Gymnasiums machte. Als Besonderheit schickte die Bank der Tongainseln zwei Geldscheine, auf deren Rückseite Abbildungen mit Eingeborenen zu sehen sind, die riesige Tapas klopfen.

Eine Vitrine enthält Material zum Problem des "Sauren Papiers", dem seit etwa 1800 Kalium-Aluminium-Sulfat (Alaun) zum Binden eines neuartigen Leims zugegeben wird. Da es sich dabei um ein saures Salz handelt, zersetzen sich Papiere seit dieser Zeit, so dass sie brüchig werden.

Auf einer Tafel wird die "anspruchsvollste Papierrestaurierung", die so genannte "Papierspaltung" demonstriert, die mit Schülerinnen und Schülern praktiziert wurde. Heute rettet man damit wertvolle unersetzbare Dokumente, z. B. Bachnoten-Handschriften in der Staatsbibliothek zu Berlin.

Ein anderes Thema widmet sich Johannes Gutenberg, dem ersten Buchdrucker, der mit beweglichen Lettern auf Pergament oder Papier die Bibel druckte. Ein nachgebauter Letterngießapparat aus seiner Zeit, Letternmetalle, daraus gegossene Bleilettern, ein Bleischriftsatz und eine Original-Seite der Schedelschen Weltchronik aus dem Jahre 1493 erinnern an seine revolutionäre Entdeckung.

Eine weitere Vitrine ist dem letzten Papiermacher in Westchina gewidmet, eine andere japanischen Stoffen aus Papier. Das Heft einer Schülerin sowie Briefverkehr mit aller Welt runden das Thema ab.

Diese Ausstellung war in den vergangenen Jahren im Gustav-Lübcke-Museum Hamm/Westf., in der Staatsbibliothek Berlin Unter den Linden sowie in den Universitätsbibliotheken Paderborn, Dortmund, Berlin (Freie Universität) und Hamburg zu sehen.