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Biographie Jean Sibelius

1865-1957

Der am 8. Dezember 1865 in der Provinzhauptstadt Hämeenlinna (Tavastehus) rund hundert Kilometer nördlich von Helsinki geborene Jean Sibelius stammte aus einer Familie von Offizieren, Beamten und Pfarrern. Im Hause Sibelius spielte die Musik eine gewichtige Rolle, und so war es nicht überraschend, dass sich Jean nach der Reifeprüfung am Musikinstitut der Universität Helsinki einschreiben ließ. Doch schon bald strebte er ins Ausland, um dort sein Musikstudium zu vertiefen. In den Jahren 1889-1891 studierte er in Berlin bei Albert Becker und in Wien bei Robert Fuchs.

Die bedrängte politische Lage im Finnland der 1890er Jahre erweckte in Sibelius das Gefühl für das Vaterländische und Finnische. Ein Nationalbewusstsein begann in ihm zu wachsen, das nicht zuletzt auch durch die Familie Järnefelt, deren Tochter Aino Sibelius im Jahre 1892 heiratete, in erheblichem Maße gefördert wurde. Seine auf dem finnischen Volksepos "Kalevala" fußende sinfonische Dichtung "Kullervo" (1892) - ein für seine Zeit sehr kühnes Werk - wurde mit großer Begeisterung aufgenommen.

Von 1892 an unterrichtete Sibelius Musiktheorie am Musikinstitut zu Helsinki und an der Orchesterschule des Philharmonischen Orchesters. Kurz nach Beendigung der Tondichtung "Eine Sage" begann er, aus einem Motiv des "Kalevala"-Epos eine Oper zu schreiben, die zwar nie vollendet wurde, die ihm aber die Anregung zur großen Lemminkäinen-Suite schenkte.

Vor dem Hintergrund der Russifizierungspolitik des Zaren Alexanders III. und speziell des "Februarmanifests" von 1899 entstand eine sinfonische Dichtung, deren abschließendes Stück "Finlandia" den Kampf Finnlands gegen die russische Politik zum Ausdruck brachte. Uraufgeführt wurde das Werk unter dem Titel "Impromtu", da der wirkliche Name nicht genannt werden durfte. Die "Finlandia", zwei Tondichtungen aus der Lemminkäinen-Suite und nicht zuletzt die 1899 entstandene und begeistert aufgenommene 1. Sinfonie bildeten den Schwerpunkt im Programm des Philharmonischen Orchesters Helsinki auf dessen Europa-Tournee zur Pariser Weltausstellung 1900. Durch diese Tournee und die Uraufführungen etlicher bedeutender Werke Sibelius´ in Berlin rückte die Musik Finnlands zunehmend ins Licht der Weltöffentlichkeit.

Innerhalb weniger Jahre brachte Sibelius eine Flut sinfonischer Musik hervor - Kompositionen von großer Klangphantasie und Naturverbundenheit. Mitte der 20er Jahre konnte er auf ein imposantes Orchesterschaffen von sieben Sinfonien, zahlreichen sinfonischen Dichtungen, einem Violinkonzert und etlichen anderen Kompositionen (u.a. einer Schauspielmusik zu Shakespeares "Sturm", einigen Kantaten sowie Violin- und Klavierwerken) zurückblicken.

Sibelius´ letztes Werk datiert aus dem Jahr 1929. Über sein musikalisches Schweigen in den Jahrzehnten danach wurde viel spekuliert. Ein zunehmendes Zittern der Hände machte ihm das Notieren zur Mühe, hinzu kam eine immer strenger werdende Selbstkritik, die ihn sogar dazu brachte, die Partitur seiner 8. Sinfonie zu vernichten. Am 20. September 1957 starb er in Järvenpää bei Helsinki, wo er in seinem Haus "Ainola" über 50 Jahre gelebt hatte.